Ramadan

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Ramadan – der Fastenmonat im Islam

 

„O die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, so wie es denjenigen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werden möget.“ (2:183)

Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender, der sich am Mondkalender orientiert. Dadurch „wandert“ der Ramadan durch das Sonnenjahr und beginnt jedes Jahr ca. 10 Tage früher. Somit durchläuft er in ungefähr 36 Jahren einmal das komplette Sonnenjahr.

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Er ist einer der vier heiligen Monate im Islam und wird im Koran explizit erwähnt: „Der Monat Ramadan, in dem der Koran herabgesandt wurde als Rechtleitung für die Menschen und klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidungsoffenbarung, und wer von euch den Monat anwesend ist, so soll er ihn fasten…“ (2:185). Für die Muslime, die in unseren Breitengraden leben, ist das Fasten seit mehreren Jahre eine besondere Herausforderung. Die Fastenzeit liegt aktuell in den heißen Sommermonaten und die Tage besonders lang und anstrengend.

Insbesondere der Durst ist im Hochsommer fordernd. Umso wichtiger ist es beim abendlichen Fastenbrechen (Iftar) und beim morgendlichen Frühstücken (Sahur) darauf zu achten die richtigen Lebensmittel und genügen Flüssigkeit für den Wasserhaushalt des Körpers aufzunehmen. Auch ist hilfreich sich genau zu verinnerlichen aus welcher Absicht (Niyya) heraus man fastet und zu verstehen, dass es sich dabei um eine der fünf sogenannten Säulen im Islam handelt. Neben dem Fasten stehen die Glaubensbezeugung (arab. Shahada), das Gebet (fünf Mal täglich), die Abgabe der Zakat (eine Art Pflichtabgabe an Bedürftige) und die Pilgerfahrt nach Mekka (arab. Hajj) einmal im Leben.

 

Wie wird gefastet?

Gefastet wird von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Je nachdem in welche Jahreszeit der Ramadan fällt, kann dies eine täglich Fastenzeit von bis zu 18 Stunden bedeuten. Dabei enthält sich der Fastende von Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr. Das Fasten wird am Abend gemäß der Sunnah (der Handlungsweise des Propheten Mohammads, Friede und Segen sei auf ihm) traditionell mit einer ungeraden Anzahl von Datteln und Wasser oder Milch gebrochen. Viele beten dann erst einmal das Abendgebet (Maghrib-Gebet) und nehmen ihren Iftar danach ein. Im Anschluss daran folgt das Nachtgebet und darauf folgt das sogenannte Tarawih-Gebet (ein freiwilliges zusätzliches Gebet, das nur im Ramadan verrichtet wird). Vor dem Früh-Gebet (Fajr) und damit dem Beginn der Morgendämmerung ist es erwünscht noch etwas zu Essen und zu trinken. Dieses Frühstück vor dem Fastentag nennt sich Sahur oder auch Suhoor.

 

Wer fastet und wer nicht?

Nach islamischem Konsens müssen alle gesunden Muslime, egal ob Mann oder Frau, ab erreichen der Pubertät das Fasten einhalten. Kinder müssen nicht Fasten. Schwangere, stillende, kranke, reisende Gläubige und menstruierende Frauen sind vom Fasten ausgenommen. Aber auch alte Menschen, die körperlich nicht mehr in der Lage sind zu Fasten sind befreit. Allerdings gilt für sie, wie auch für alle anderen, dass sie entweder die nicht gefasteten Tage zu einem anderen Zeitpunkt jedoch vor dem nächsten Ramadan nachholen oder die Fidjah (eine Art Ersatzleistung) für jeden verpassten Tag entrichten müssen, wie es im Koran heißt:

„Und denjenigen, die es (das Fasten) nur schwer zu leisten vermögen, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt.“ (2:184)

Der Betrag dafür orientiert sich daran, wie viel es kosten würde eine Person einen Tag lang zu ernähren. Man kann dieses Geld bei Hilfsorganisationen wie z. B. muslimehelfen e.V. spenden. Diese organisieren damit Armenspeisungen.

 

Warum wird gefastet?

Wie im Anfangs genannten Koranvers erwähnt, soll das Fasten im Ramadan den Gläubigen näher zu Allah bringen. Durch das Fasten soll die Taqwa, sprich die Gottesfurcht, gestärkt werden. Darüber hinaus lehrt der Verzicht auf Essen und Trinken die Wertschätzung für Nahrung. Durch deren Verzicht erlebt der Gläubige auch eine Art Solidarisierung mit den Menschen, die nicht so reich mit Nahrung gesegnet sind. Außerdem schult der Verzicht ganz allgemein die Disziplin und den Charakter eines Gläubigen. Die wichtigste Voraussetzung für die Annahme des Fastens eines Gläubigen durch Allah ist eine reine Absicht. Zwar hat das Fasten auch noch viele weitere positive Effekte auf den Körper und die Psyche, aber im Kern fasten Muslime, um sich Allah anzunähern und seine Gebote zu befolgen.

Darüber hinaus ist Ramadan die Zeit im Jahr, in der man versucht besonders viele gute Taten zu vollbringen. Hierzu zählen unter anderem die zusätzlichen Gebete, viel Koran lesen und Dhikr (das Gedenken an Allah). Auch die Gedanken und die Zunge gilt es dabei rein halten, indem man versucht keine Zeit mit unnützen Medien zu verschwenden und kein leeres Gerede führt. Ganz wichtig ist das Spenden. Viele Gläubige entrichten in dieser Zeit die Zakat (eine Pflichtabgabe auf das Vermögen). Aber auch freiwillige Spenden (Sadaqa) und vor allem die Zakatul-Fitr, die unbedingt vor Beginn des Festgebets am ersten Tag nach dem Ende des Monats Ramadan gezahlt werden muss. Diese Spende muss jeder Gläubige für sich und evtl. für Familienangehörige entrichten.

Die Höhe des Betrags richtet sich hierbei ebenfalls danach, was es kosten würde eine Person für einen Tag zu ernähren. Momentan liegt dieser Betrag bei 7 bis 10 Euro. Die Sunna, sprich die Handlungsweise des Propheten Muhammads (Frieden und Segen sei auf ihm) besagt, dass dieses Geld direkt an Bedürftige gegeben werden soll, damit diese die Möglichkeit haben, Essen für das Fest im Anschluss des Ramadans zu kaufen. Für viele Muslime hier ist dies aber nicht so einfach, denn sie kennen vielleicht niemanden persönlich der wirklich bedürftig ist. Man kann die Zakatul-Fitr daher auch einer Hilfsorganisation, wie z. B. muslimehelfen e.V., rechtzeitig spenden.

 

Warum ist der Ramadan so besonders?

Die Besonderheit und Sonderstellung dieses Monats ergibt sich aus dem Koran. So heißt es dazu in der ungefähren Übersetzung des ersten Verses der 97. Sure: „Wir (Allah) haben ihn (den Koran) ja herabgesandt in der Nacht der Bestimmung…“ (97:1). Die sog. Nacht der Bestimmung (Lailatul-Qadr), in der der Koran erstmals herabgesandt wurde ist eine der ungeraden Nächte in den letzten 10 Nächten des Ramadans. In dieser Nacht belohnt Allah die guten Taten und Gebete der Gläubigen um ein Vielfaches. Viele verbringen deshalb die Nächte im letzten Drittel des Monats im Gebet und lesen besonders viel Koran. Eine Tradition ist dabei das sogenannte I´tikaf, d. h. man verbringt die letzten zehn Tage und Nächte komplett in der Moschee, um sich ganz den gottesdienstlichen Handlungen zu widmen.

Aber auch alle anderen Tage des Monats sind dem verstärkten Bemühen um gute Taten gewidmet. Hierzu gibt es die folgende Überlieferung: Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Wenn Ramadan kommt, werden die Tore des Paradieses geöffnet.“[Sahih al-Buchari, Kapitel 28/Hadithnr. 1898]. Vor Beginn des Ramadans werden in einigen Regionen die Straßen und Häuser traditionell mit Lichterketten und Laternen festlich geschmückt. Es werden Plätzchen gebacken, besondere Speisen hergestellt und Vorbereitungen getroffen, damit man sich während der Fastenzeit ganz auf das Fasten besinnen kann. Das öffentliche Leben wird ruhiger oder verschiebt sich auf die Nacht. Viele Menschen kochen oder organisieren und spenden für die Speisung von Bedürftigen.

Auch in Deutschland gibt es in zahlreichen Moscheen während dem Ramadan jeden Tag ein gemeinsames Fastenbrechen für Bedürftige, das von Freiwilligen zubereitet wird. In muslimischen Ländern werden zum Iftar teils auch Getränke oder kleine Essenspakete an Autofahrer oder Benutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln verteilt, damit sie ihr Fasten unterwegs brechen können, wenn sie im Verkehr feststecken. Viele Restaurants stellen zusätzliche Tische auf und bieten einen kostenlosen Iftar an.

 

Wann und wie endet der Ramadan?

Der Monat Ramadan hat entweder 29 oder 30 Tage. Mit Sichtung des Neumondes endet der Ramadan und somit auch die Fastenzeit. An diesem letzten Abend gibt es auch kein Tarawih-Gebet mehr, da mit Einbruch der Dunkelheit der Feiertag beginnt. Nun beginnt das Fest des Fastenbrechens, auf Arabisch Idul-Fitr oder auf Türkisch Ramazan Bayram genannt. Am nächsten Morgen, dem ersten Tag des Monats Schawwal, wird meist sehr früh oder im Anschluss an das Morgengebet (Fajr) das sogenannte Festgebet (Salatul-Id) abgehalten. Nach der Sunna sind alle Gläubigen aufgerufen zu diesem Gebet zu kommen, auch wenn sie nicht mitbeten können.

Oft werden die Gebete auf freien Plätzen oder auf der Straße vor einer Moschee abgehalten, da so viele Menschen daran teilnehmen. Aber auch in Hallen oder Parks. Nach dem Gebet gratulieren sich die Menschen herzlich, umarmen sich, und gehen dann die Familien, Verwandten und Freunde besuchen. An diesem Tag bekommen die Kinder Geschenke und neue Kleidung. Die Festlichkeiten zum Ende des Ramadans dauern insgesamt drei Tage.